Außenseiter sorgte für eine echte Sensation VON RAYMUND STOLZE Strausberg. In einem vor genau zwölf Monaten gedrehten Werbespot für das Königliche Spiel bringt es Hauptdarsteller Nico Bohnsack auf den Punkt: „Schach macht doch Spaß!“ So nimmt er nach einem Sieg gegen seines erfahrenen Gegner dessen Herausforderung zu einer neuen Partie natürlich an. Und das nicht nur in diesem knapp dreiminütigen Kurzfilm von der Berliner Mediendesignerin Isabel Stolze für einen Videowettbewerb der Deutschen Schachjugend, den man im Internet unter http://www.deutsche-schachjugend.de/dem2010-videowettbewerb.html sehen kann, sondern auch in der gerade zuende gegangenen Saison 2010/11. An Brett 4 hat er seinen Platz im Strausberger U12-Team gefunden.. „Eigentlich wollten wir bei unserer knappen Personalsituation nur eine Mannschaft für den Spielbetrieb melden, aber dann hätten unsere jüngsten Aktiven nur zuschauen müssen“, so Jugendwart Lars Petersen. „Da das wenig motivierend gewesen wäre, sind wir dann das Risiko bewusst mit zunächst nur vier Aktiven eingegangen, denn für uns geht es nicht vorrangig um Medaillen, sondern diese ernsthafte sportlichen Wettkämpfe sind doch vor allem eine echte Bereicherung in jeder Beziehung für die Persönlichkeit der Jungen.“ Es gab deshalb auch keine leistungsorientierten Vorgaben. Mitspielen und lernen war das eigentliche Ziel, kämpferische Qualitäten entwickeln. Manchmal ist es im Sport aber auch wie im wahren Leben. Nichts ist jedenfalls absolut vorhersehbar. Und so ist wahrlich eine echte Sensation zu vermelden. Das KSC-Quintett holte ganz souverän mit 19:1 Punkten den ersten Landesmannschaftsmeistertitel nach Strausberg., obwohl die eigentlichen Favoriten wie der USV Potsdam oder der Forster SC im Leistungsdurchschnitt bis zu 200 DWZ-Punkte besser waren. Wie das möglich ist, dass ein Außenseiter so groß auftrumpft, erklärt Nico ganz einfach:: „Wir gewinnen doch zusammen als Team!“ Und in der Tat, dieser Mannschaftsgeist ist das eigentliche Erfolgsgeheimnis von Johannes Trotzke, Max Michatz, Julian Vogt, Richard Arlt und eben von Nico. Der elfjährige Johannes konnte all seine Erfahrungen an Brett 1 unter Beweis stellen. Mit 9,5 Punkten aus 10 Partien kam der zweifacher Landesvizemeister auf das beste Einzelresultat aller Aktiven überhaupt. Taktiker Max stand mit 9 Zählern seinem Mannschaftskapitän kaum nach und hat vor allem den für die Meisterschaft alles entscheidenden halben Punkt gegen Kathrina Schmid vom SV Glück Auf Rüdersdorf I zum 2,5:1,5-Sieg geholt.. Julian sah seine Aufgabe immer darin, mit möglichst sehr guten Resultaten – am Ende waren es 8,5 Punkte - der Mannschaft einen Schub zu geben. Schließlich waren da noch die beiden neunjährigen Nico und Richard, die sich Brett 4 teilten. Sie konnten bei ihren Einsätzen jede Menge Erfahrungen sammeln und werden so die Botschaft des Films selbst am nachhaltigsten erlebt haben: Schach macht wirklich Spaß! Bleibt noch anzumerken, dass die Strausberger Bürgermeisterin Elke Stadeler es sich nicht nehmen ließ, ihre Mannschaft bei der Siegerehrung im Rüdersdorfer Kulturhaus mit Gutscheinen für den Kletterwald im Sport- und Erholungspark zu überraschen. Nach der anstrengenden geistigen Arbeit wäre nun sicher körperliche Erholung angesagt, so vorausschauend das Stadtoberhaupt. Wie Recht sie damit hat, denn bekanntlich ist nach der Meisterschaft immer vor der Meisterschaft.... |